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DER WIELAND-PARK IN BIBERACH

Der Park wurde 1999 unter großer Beteiligung der Bevölkerung als „Bürgerpark“ eingeweiht und 2004 im Rahmen des Literaturwochenendes „Christoph Martin Wieland – ein Mensch des Rokoko“ in „Wielandpark“ umbenannt. Er ist Bestandteil einer Grünvernetzung, die sich zwischen Riß und Wolfentalbach spannt und den Gigelberg einbindet. Der Park erfüllt vor allem Naherholungsfunktion für Bewohner und Arbeitende in der Innenstadt.

Dem Bürger steht ein Garten zum Verweilen, zum Durchschreiten, zum Nachdenken und zur stillen Besinnlichkeit zur Verfügung. Das Areal ist mit dem darin befindlichen Gartenhaus von Christoph Martin Wieland samt Nebengebäude sowie der dortigen Ausstellung zu Leben und Werk des Dichters darüber hinaus ein wichtiger kulturhistorischer Ort.

Christoph Martin Wieland, der bedeutende Poet aus Oberschwaben, empfand Leben und Dichten im Garten als existentielles Bedürfnis. Vom „Rande der unberühmt schleichenden Riß“ bis zur „tiefhin rauschenden Ilm“ in Weimar und Oßmannstedt bedeuteten ihm Gärten und Parkanlagen Zufluchtstätte, „Retraite“, „kleine Schneckenhaus-Welt“, Königreich, Paradies und Elysium. An diesem Ort konnte der Dichter im Freien, unter seinen Bäumen, im Angesicht seiner eigenen kleinen Pflanzungen leben und wandeln, um den unendlichen Erdgeist einzuziehen, mit dem er - je länger, je mehr - Sympathie und Verwandtschaft fühlte. Der Garten ist für Wieland also ein idealischer Ort, der keiner bestimmten Gegend zuzuordnen ist und von wo aus er seine kosmopolitische Weltsicht gewinnt, die viele seiner Werke prägen. Außerhalb des Gartens blieb ihm die Welt oft abderitisch, barbarisches „Ergastulum“ (Zuchthaus) oder beschwerlicher „Canzley-Karren“.

Hans Dieter Schaal, der in Attenweiler lebende, bedeutende Landschaftsarchitekt und Bühnenbildner, hat bei der Gestaltung des Parks, wozu er von der Stadt beauftragt war, diese alten Bilder von neuem belebt, schafft aber auch neue (Durch-) Blicke. Schaal wollte den neuen Bürgerpark, in der Nähe der Stadtmitte liegend, umgeben von Wohnhäusern, Schulen, Kinos und Verwaltungsgebäuden nicht nur als einen zur Abkürzung benutzten Durchgangskorridor verkommen lassen, sondern einen Ort der Erholung, der Erfrischung, des kurzen Spaziergangs, des Ausruhens, der Meditation, als Ort der Begegnung mit einem anderen Stück Landschaft, einem Stück anderer Natur und einem Stück Kunst und literarischer Kulturgeschichte gestalten. Im Park, so seine Gestaltungsidee, sollen sich mehrere Themenbereiche überlagern. So bedient er sich der Gegensatzpaare Künstlichkeit – Natürlichkeit, Geometrie - Organik, Aufklärung – Naturphilosophie, Vergänglichkeit – Zukunft. Die Installationen im Park, wie Ruine, Mond, See und Insel, sind Anspielungen auf diese Themen, Symbole für Vergänglichkeit und Innerlichkeit, Erinnerungen an eine verlorene Landschaft im Sinne der Bilder, wie sie Christoph Martin Wieland in seinen Gartenhäusern erlebt und gesehen hat.

Ausschnitt aus einem Faltblatt der Stadtverwaltung Biberach, 1999